Das "freiwillige" Betriebspraktikum

Rechtliche Stellung

„Um ihr Grundrecht auf freie Wahl von Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte bewusst wahrnehmen zu können, benötigen die jungen Menschen Unterstützung im Berufswahlprozess und Informationen über ihre beruflichen Möglichkeiten“. Im Grundgesetz, der Bayer. Verfassung und im Bayer. Erziehungs- und Unterrichtsgesetz wurden diese Grundrechte festgelegt und im Lehrplan der Realschule präzisiert.

Ein wesentlicher Baustein zur Verwirklichung dieser Bildungs- und Erziehungsziele ist das Betriebspraktikum (Schnupperlehre).

 

Historie

Bereits im Jahre 1986 wurde das Betriebspraktikum an der Realschule Mellrichstadt eingeführt, damit war die Realschule Mellrichstadt bayernweit eine der Pionierschulen und kann somit auf eine Tradition rückblicken. Seit dieser  Zeit wurde das Praktikum permanent weiterentwickelt und optimiert. Fanden die Praktika zuerst in den Ferien statt, so wird seit  Erlaubnis des Unterrichtsministeriums das Praktikum während der Schulzeit durchgeführt.

 

Das Praktikum heute

Ein Vorteil des Praktikums während der Schulzeit (von vielen) ist die Tatsache, dass mittlerweile statistisch jeder Schüler der 9. Klasse 2 - 3 Praktika absolviert, eines davon während der Schulzeit. Dabei werden alle Ferien genutzt (Allerheiligen, Weihnachten, „Faschingsferien“, Osterferien, Pfingstferien, Sommerferien). Selbstverständlich werden Praktika in ganz Deutschland und allen Berufszweigen durchgeführt.

Ein Dickes Dankeschön im Namen der Jugendlichen und deren Eltern an Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die sich meist gewissenhaft und engagiert um  unsere Schüler/innen kümmern und ihnen diese Berufserfahrungen ermöglichen!
Gerade mir ist sehr wohl bewusst, dass unsere Schüler oft eine zusätzliche Belastung darstellen. Deshalb auch von mir für die reibungslose Zusammenarbeit seit mehr als 20 Jahren herzlichen Dank!

Besonders bedanken möchte ich mich aber, auch wenn diese Behörde in der öffentlichen Meinung oft schlecht dargestellt wird, bei „unserem“ Berufsberater der Agentur für Arbeit (Arbeitsamt), Herrn Wolfgang Schmitt (Arbeitsamt Schweinfurt/Bad Neustadt). Viele Stunden verbringen wir zusammen, von den Eltern fast nicht bemerkt, um unseren Kindern eine positive Zukunft zu ermöglichen. Für sein außergewöhnliches Engagement in der Berufsberatung an der Ignaz-Reder-Realschule Mellrichstadt vielen herzlichen Dank!

 

... und trotzdem ein Aufruf an Politik und Wirtschaft

Nach fast 30 Jahren Lehrtätigkeit, davon im 22. Jahr als Beratungslehrer, der wirtschaftspolitisch viele Höhen und Tiefen miterlebt hat, möchte ich die Wirtschaft und die Politik bitten und auffordern, gerade den nördlichen Teil Unterfrankens nicht völlig zu vergessen und unseren Jugendlichen eine Perspektive, auch und gerade im Heimatraum zu ermöglichen.

Harald Kriegsmann, Beratungsrektor

Zielsetzungen

Den Wunschberuf testen

Die Jugendlichen der 9. Klasse erhalten die Chance in der Praxis die Luft der Arbeitswelt zu schnuppern und auszuprobieren, ob ihre Vorstellungen vom Beruf mit der Realität übereinstimmen. Die steigende Zahl der  Lehrabbrüche (über 20%) bestätigt hier das Ziel der Realschule überdeutlich. Manche Schüler finden hier schon ihren „Wunschberuf“, aber gerade der Schüler, der erkennt, dass der ausgewählte Beruf nicht der richtige ist, hat sehr viel gewonnen. Diese Bestätigung erhalte ich Jahr für Jahr von Unternehmen, Schülern und Eltern.

 

Die Arbeitswelt kennenlernen

Viele Schüler sind im Praktikum kaum mehr zu erkennen, sie verlassen ihr gewohntes Umfeld Schule, alles ist neu, meist praxisorientiert, viele Schüler blühen richtig auf. Trotz der vielfältigen Umstellungen (meist 8-Stunden-Arbeitstag, neue Kollegen, gänzlich andere Anforderungen...) reagieren die meisten Schüler auf die neuen Eindrücke und die Anforderungen des Berufes und des Betriebes sehr positiv und sie können einschätzen, worauf es nach dem Ende der Schulzeit ankommt. Fälschlicherweise als „Sekundärtugenden“ abgewertete selbstverständliche Werthaltungen wie Verantwortungsbereitschaft, Loyalität, Sorgfalt, Fleiß, Ausdauer... werden bewusst gemacht.

 

Selbstständig werden

Mit dem Betriebspraktikum verfolgt die Realschule Mellrichstadt ausdrücklich das Ziel der Selbstständigkeit. Elternhaus und vor allem die Schule (der Staat!) sollen in den Hintergrund treten und die Jugendlichen lernen, selbst Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Dies lernen sie z.B. dadurch, dass sie sich größtenteils selbst den Praktikumsbetrieb suchen (z.B. über Internet, die „gelben Seiten“), sich dort bewerben (Bewerbungsschreiben...) und vorstellen (Kleidung, Sprache...).