Das Rederkreuz auf dem Altenberg zeugt davon, dass an dieser Stelle Dr. Ignaz Reder am 30. August 1796 im Kampf gegen die Franzosen gefallen ist. Auch Straßen in Mellrichstadt und Bad Neustadt an der Saale tragen seinen Namen. Geboren wurde er am 10. Juli 1746. Und in diesen 50 Jahren vollzog sich das Leben dieses Mannes, der nicht nur Arzt, sondern wohl auch ein außergewöhnlicher Mensch war.

 

Reder war ein großer Bücherliebhaber, ein Anhänger der Philosophie der Aufklärung, ein Menschenfreund und natürlich ein Patriot. Reder hat sein Vaterland mit allen seinen ihm zur Verfügung stehenden Sinnen geliebt. Jedoch stellte er dieses Vaterland nie ins Zentrum seines Weltverständnisses, dafür war er viel zu sehr Weltbürger. Er sprach allein fünf Fremdsprachen fließend: lateinisch, griechisch, französisch, italienisch und englisch.

 

Auf den Gymnasien in Münnerstadt und Fulda offenbarte sich bald seine Liebe zu den klassischen Schriftstellern der Griechen und Römer, eine Liebe, die ein Leben lang anhielt. Zutiefst geprägt vom tätigen Christentum fand sein hungriger Geist Nahrung in Bamberg, Köln, Würzburg und Erfurt, wo er sein Universitätsstudium absolvierte.

 

1773 erhielt er schließlich die Doktorwürde. Seine Dissertation mit dem Titel „Epidemia, ut Mellerstadii se exhibuit“ (zu deutsch: Wie die Epidemie sich in Mellrichstadt darstellte) weist auf eine gründliche und genaue Beobachtung der Krankheit ebenso wie auf eine umfassende Belesenheit hin. Nach Polen als Hofmedicus zu gehen, lehnte er ab, weil er in Mellrichstadt bleiben wollte, um dort die Kranken zu versorgen. Arme Patienten behandelte er, ohne dafür Geld zu verlangen, reiche Patienten zahlten die Summe, die sie für angemessen hielten. Und die Landbevölkerung in der Rhön war damals sehr arm. Reder nahm nicht nur Fußmärsche von mehreren Stunden auf sich, um Krankenbesuche abzustatten, sondern er verbrachte oft ganze Nächte in elendsten Behausungen am Krankenbett, bis diejenige Person genesen war.

 

1784 wurde er schließlich Physicus in Neustadt an der Saale, acht Jahre später kehrte er jedoch nach Mellrichstadt zurück, auch um sich der Erziehung seiner Kinder voll und ganz widmen zu können.

 

Am Tag seines Todes ist ihm, der immer um den Schutz seiner Mitbürger bemüht war, seine Menschenliebe zum Verhängnis geworden. Er schloss sich einer Gruppe Mellrichstädter Bürger, die zur Hilfe gegen die Franzosen im Raum Neustadt gerufen wurden, als ihr Anführer an. Zwischen einem Franzosen und Bauern, die jenem Stiefel und Kleidungsstücke abnehmen wollten, versuchte er zu vermitteln, indem er als Dolmetscher auftrat. Er verschaffte dem Franzosen sogar seine Stiefel wieder, doch diese gegenüber dem damaligen Feind ausgeübte Menschenliebe kostete Ignaz Reder das Leben. Den Rückweg abschneidend verwickelten französische Soldaten ihn in ein heftiges Streitgespräch und erschossen schließlich den schon vorher Verwundeten.

 

Martin Breinbauer

 


     

  • Bild 1: Georg Karl von Fechenbach, der letzte Fürstbischof von Würzburg stiftete eine Gedenktafel zur Erinnerung an den Tod von Ignaz Reder am 30. August 1796 in der alten Kirche in Herschfeld.
  • Bild 2: Deckblatt der Doktorarbeit Ignaz Reders
    "Wie sich dir Epidemie in Mellrichstadt darstellte, mit Einwilligung der angesehenen medizinischen Fakultät für den Doktorgrad. Beschrieben und vollbracht von Ignaz Reder, Mellrichstadt. Erfurt, 20.September 1773"